Wintersonnenwende und Weihnachten

Im späteren Rom feierte man jeweils am 25. Dezember den Geburtstag des unbesiegbaren Sonnengottes Sol invictus.

Aber warum den Geburtstag am 25. und nicht am 21. Dezember begehen? An diesem Tag siegt die Sonne und hat am 25. Dezember schon seit vier Tagen gesiegt. Vielleicht lässt es sich so erklären:  Natürlich war der Sieg der Sonne, die Sonnenwende am 21. Dezember. Am 22. Dezember war man sich mit Blick zur Sonne gegen den Hügel aber noch nicht sicher, ob dieser Sieg  tatsächlich eingetreten war. Aber am 23. Dezember war auch der Letzte überzeugt, vorgestern war das besagte Ereignis. Also dann wird morgen am 24. Dezember das Fest vorbereitet und am 25. Dezember begangen.

Aus diesem römischen Fest wurde schon bald nach der Einführung quasi durch eine Umwidmung das Weihnachtsfest. Christus als die Sonne, als der, der Licht in die Welt bringt.

Nachstehend Christus als unbesiegbarer Sonnengott (Sol invictus) in der vatikanischen Nekropole: Mit Heiligenschein und Strahlenkranz in einem von Osten nach Westen fahrenden Sonnenwagen, in der linken Hand die Weltkugel (Quelle: Infosperber ).

Hoffnungslicht

Nach dieser Lektüre ist der heilige Zorn auf manche Leute nicht ganz, aber zum Teil verraucht.

Frau und Herr Dichter wollen nicht genannt werden, sind mir aber bekannt.

Freitag vor dem 4. Advent, eine Rückbesinnung

Sonntag, 1. Advent, 10 Uhr

In der Reihenhaussiedlung Önkelstieg lässt die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert drei Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus. Die Freude ist groß.

10:14

Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des zehnarmigen dänischen Kerzensets zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Önkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 elektrischen Fensterdekorationen.

19:03

Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst noch arglos.

20:17

Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluss einer Kettenschaltung von 96 Halogenfilmleuchten durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens an das Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20:56

Der Discothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt, seinerseits einen Teil zur vorweihnachlichen Stimmung beizutragen, und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laserensemble „Metropolis“, das zu den Leistungsstärksten Europas zählt. Die 40 Meter hohe Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem hässlichen Geräusch zerbröckelt.

21:30

Im Trubel einer Julklubfeier im Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage verhallt das Alarmsignal aus Generatorhalle 5.

21:50

Der 85jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs „Varta Volkssturm“ den Stern von Betlehem an die tiefhängende Wolkendecke.

22:12

Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Bekleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Önkelstieg. Zuvor war eine Boing 747 der Singapor Airlines mit dem Ziel Sydney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Bröhrmayer gelandet.

22:37

Die NASA-Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstraße Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel. Die Experten in Houston sind ratlos.

22:50

Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerkes Sottrup-Höcklage. Der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23:06

In der taghell erleuchteten Siedlung Önkelstieg erwacht die Studentin Bettina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23:12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23:12:14

In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage wie Donnerhall. Durch die stockfinsteren Ortschaften irren verstörte Menschen, Menschen wie du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.

Mit freundlicher Genehmigung von H. Wehmeier kopiert von der CD „Stenkelfeld – Die Dritte„.

Heute vor 250 Jahren

wurde Ludwig van Beethoven in Bonn getauft.


Hähnel, Ernst Julius (1811-1891) Beethoven, Ludwig van  
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Beginn der Ode an die Freude klingt ja schon umwerfend und es kennt ihn ja nun ein Jeder. Um wie viel umwerfender wäre die Vertonung der nachstehenden nicht vertonten Zeilen ausgefallen.

Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut – –
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
Dieses Glas dem guten Geist.

Man kann im Leben aber offenbar nicht alles haben

Hinter dem Pillnitzer Königlichen Weinberg

im Wald unter der künstlichen Ruine wird die Wegesicherung durch Fällen der vertrockneten Bäume fortgesetzt. Der Baumkletterer meinte gestern, er lebe sicherer als eine Verkäuferin bei Lidl oder ein Lehrer vor der Klasse.

Nach dem Bäumefällen ist die Frage: Kulturlandschaft versus Landschaftsschutzgebiet

oder sogar Urwald.

Fotos; eigen

Überraschung zum dritten Advent

Foto: Wolfgang Winn

Kollateralschaden vom Baumfällen am 10. Dezember 2020.

Einen frohen 3. Adventsonntag.