Hölderlin in der C-Zeit

Hölderlin hatte 250. Geburtstag. Wir sind noch in seiner Oktav.

Vor 50 Jahren las ich, ehrlicher gesagt, versuchte ich, seine Gedichte zu lesen, auch das Gedicht „Hälfte des Lebens“. Am Schluss dieses Gedichtes: „Mauern stehn sprachlos und kalt“. Das versteht man, aber anschließend „Klirren die Fahnen“? Man musste erst drauf kommen, da waren die Metallfahnen auf den Kirchtürmen gemeint, die „im Winde“ sich drehend klirren. So ist halt das Ende des Lebens „wenn Winter ist“. Sinnbildlich mit diesem Gedicht tauchte Hölderlin in die geistige Umnachtung über viele, viele Jahre bis zu seinem tatsächlichen Tod ab.

Dorf mit hohem Kirchturm,
Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der am meisten bekannte Vers: „Nah ist und schwer zu fassen der Gott./ Wo aber Gefahr ist. Wächst/ Das Rettende auch“. scheint allerdings eingängig zu sein. Trost damals und in diesen Zeiten.

Zum Welttag des Wassers 22. März 2019

Wasser allein macht stumm,
das zeigen im Bach die Fische.
Wein allein macht dumm,
siehe die Herrn am Tische.
Da ich keins von beiden will sein,
trink ich Wasser mit Wein.

soll Goethe auf eine Tischplatte im Wirtshaus an der Lahn (Dausenau) geschrieben haben. Diese „Herrn“, es waren wohl Studenten, hatten ihn zuvor ob seines Wassertrinkens bespöttelt.


Canaletto: Der Marktplatz von Pirna (um 1753); Ganz rechts hölzerne Rohrtröge für Quellwasser;
Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Zum achten März von Berthold Brecht die Empfehlung eines langen, weiten Rocks

Und wähl den bäuerlichen weiten Rock
bei dem ich listig auf die länge dränge:
ihn aufzuheben in der ganzen Länge
an Schenkeln hoch und Hintern, gibt den Schock.
Und wenn du hockst auf unser Ottomane
Laß ihn verrutschen, dass in seinem Schatten

Durch den Tabakrauch wichtiger Debatten
Dein Fleisch mich an die gute Nacht gemahne.

Doch sind es nicht nur niedere Gelüste
die mich nach solchem Rocke schreien lassen:
du gehst drin schön, wie einst durch Kolchis Gassen
Medea, als den Korb sie meerwärts trug. –
Doch wenn ich keine andern Gründe wußte:
Wähl solchen Rock! Die niedern sind genug

Liotard,  Das Schokoladenmädchen
Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach diesen Tagen

Ich sehe nicht ein, warum einer, der gerne trinkt, ausgerechnet Alkohol trinken muss, nachdem uns Gott so viel Wasser geschenkt hat (Billy Graham).

Wasserwerk Saloppe
Foto: August Kotzsch
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Für diese Tage

Nicht ziemt den Königen Wein zu trinken, noch Fürsten das Verlangen nach starken Getränken. Sonst trinkt einer und vergisst dann, was vorgeschrieben, und entstellt die Rechtsansprüche aller Bedrückten. Gebt vielmehr das starke Getränk dem Verzweifelnden, und den Wein den Verbitterten. Er trinke, dann vergisst er seine Armut, und denkt nicht mehr seiner Mühsal (Buch der Sprichwörter 31, 2-7).

Trinkgelage
Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Gotthold Ephraim Lessing (1729–81)
Eine Gesundheit

Trinket Brüder, laßt uns trinken
Bis wir berauscht zu Boden sinken;
Doch bittet Gott den Herren,
Daß Könige nicht trinken.
Denn da sie unberauscht
Die halbe Welt zerstören,
Was würden sie nicht tun,
Wenn sie betrunken wären?

Anm. d. Verf.: Wenn das nicht Urheberrechtsverletzung ist.

Wiedereröffnung Semperbau

Die Wiedereröffnung Semperbau steht unmittelbar.  Dann können wir wieder bestaunen: