Jun 15

Aphorismus # 195 Als sein Herz vom Wein bewegt war

Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit andern Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er, wie die andern alle. Als aber sein Herz vom Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: ,Sag du, liebst du mich oder liebst du mich nicht?‘ Jener antwortete: ,Ich liebe dich sehr.‘ Aber er sprach wieder: ,Du sagst, ich liebe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.‘ Der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wieder wie zuvor. Ich aber verstand: Das ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfen zu spüren und ihr Leid zu tragen“ (Rabbi Mosche Leib).

Mai 26

Aphorismus # 194

Theke – Antitheke – Syntheke

von Robert Gernhard

Beim ersten Glas sprach Husserl:
„Nach diesem Glas ist Schlusserl.“

Ihm antwortete Hegel:
„Zwei Glas sind hier die Regel.“

„Das kann nicht sein“, rief Wittgenstein,
„Bei mir geht noch ein drittes rein.“

Worauf Herr Kant befand:
„Ich seh ab vier erst Land.“

„Ach was“, sprach da Marcuse,
„Trink ich nicht fünf, trinkst du se.“

„Trink zu“, sprach Schopenhauer,
„sonst wird das sechste sauer.“

„Das nehm ich“, sprach Bloch,
„Das siebte möpselt noch.“

Am Tisch erquoll Gequitsche,
still trank das achte Nitzsche.

„Das neunte erst schmeckt lecker!“
„Du hast ja recht, Heidegger“,

rief nach Glas zehn Adorno:
„Prost auch! Und nun von vorno!“

 

Quelle: Hauptfriedhof-Frankfurt-2016-Gernhardt-Ffm-614.jpg

 

Mai 18

Frohe Pfingsten

Wir haben Samstag sowie Pfingstsonntag und Pfingstmontag geöffnet.

Porta Patet, Cor magis.
Wahlspruch der Zisterzienser.

Wie  immer – sofern überhaupt erforderlich –  gibt es Erläuterungen zu dieser Landschaft mit ihrem Schloss Pillnitz sowie dem Pillnitzer Königlichen Weinberg mit seiner Kirche und vor allem den hiesigen Weinen. Wer will wird natürlich zu Fuß nah und auch weiter rundum geführt.  Anmeldungen, auch kurzfristige, sind wie bekannt erwünscht.

Mai 12

Deutsche Weine drinnen

Weißweine liegen bei den deutschen Verbrauchern weiterhin im Trend. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) im März 2018  mitteilte, waren im vergangenen Jahr 45 Prozent aller hierzulande eingekauften Weine weiß, was einem Zuwachs von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Rotweineinkäufe gehen seit dem Jahr 2008 kontinuierlich zurück. Ihr Marktanteil ist in den vergangenen neun Jahren von 53 auf nunmehr 46 Prozent gesunken.

DWI-Geschäftsführerin Monika Reule sieht als wesentlichen Grund für diese Entwicklung den allgemeinen Trend in der deutschen Bevölkerung zu einer bewussteren Ernährung. „Weißweine sind tendenziell etwas leichter als Rotweine. Sie sind zudem hervorragende Begleiter zur kalorienärmeren Küche. Dies gilt insbesondere für die Weißweine aus den deutschen Anbaugebieten. Dank ihrer langen Reifezeit weisen sie trotz vergleichsweise geringer Alkoholgehalte eine große geschmackliche Fülle auf. Diese geht mit einem angenehmen Wechselspiel von frischer Fruchtsäure und sortentypischer Aromatik einher.“

 

Mai 09

Christi Himmelfahrt

Offen wird sein.

Porta Patet, Cor magis.
Wahlspruch der Zisterzienser.

Singen mit Choristen muss für morgen leider ausfallen. Der „Erste“, der Straußenwirt selber, hat seine  Stimme verloren. Es geht wirklich nicht. Aber Ausschenken kann er. Arm und Hände hat er nicht verloren.

 

Mai 03

Aphorismus # 193 Herzlichen Glückwunsch

Am 09. Mai d. Jahre vor 80 Jahren wurde die Winzergenossenschaft Meissen gegründet. Seit diesem Ereignis gibt es auch die braune Schlegelflasche, die sächsische Keule.

Kein Zweifel, ein großes Ereignis für den sächsischen Weinbau. Schon deshalb, weil in Deutschland  neben dem Orgelbau und der Falknerei der Genossenschaftsgedanke seit 2016 zum Immatriellen Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Fragt man nach den damaligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, dann darf aber auch erinnert werden.

Es sind auch 80 Jahre und einige Tage her, dass die österreichischen Weinbaugebiete zu den deutschen dazu kamen.

 

Und es werden in einem halben Jahr auch 80 Jahre her sein, dass in Deutschland die Synagogen brannten.

Alle jüdischen Weinhändler – vor allem in den westlichen Weinanbaugebieten gab es nicht wenige – wurden spätestens danach völlig aus dem Wirtschaftsleben verdrängt. Und wie in Kirchheim an der Eck schon 1935 wurden Winzergenossenschaften auch gegründet, um von jüdischen Weinhändlern unabhängig zu werden.

Zurück zur Keule, die Form kann ja bleiben, aber die Farbe hätte ich zum 80. Jahrestag ihrer Entstehung, wenn auch nur in diesem Jahr, geändert.

 

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