Hölderlin in der C-Zeit

Hölderlin hatte 250. Geburtstag. Wir sind noch in seiner Oktav.

Vor 50 Jahren las ich, ehrlicher gesagt, versuchte ich, seine Gedichte zu lesen, auch das Gedicht „Hälfte des Lebens“. Am Schluss dieses Gedichtes: „Mauern stehn sprachlos und kalt“. Das versteht man, aber anschließend „Klirren die Fahnen“? Man musste erst drauf kommen, da waren die Metallfahnen auf den Kirchtürmen gemeint, die „im Winde“ sich drehend klirren. So ist halt das Ende des Lebens „wenn Winter ist“. Sinnbildlich mit diesem Gedicht tauchte Hölderlin in die geistige Umnachtung über viele, viele Jahre bis zu seinem tatsächlichen Tod ab.

Dorf mit hohem Kirchturm,
Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der am meisten bekannte Vers: „Nah ist und schwer zu fassen der Gott./ Wo aber Gefahr ist. Wächst/ Das Rettende auch“. scheint allerdings eingängig zu sein. Trost damals und in diesen Zeiten.