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Nov 20

Aphorismus zum Tage # 77

So aufschäumend lebensdurstig ist dieser Monat ja nicht angelegt. Melancholie – oder wie soll man sagen – ist eingewoben in diese Tage. Diese scheint auch in das Gedicht aus Fernen, aus Reichen von Gottfried Benn hinein buchstabiert zu sein. Jedoch ist – spätestens – am Ende dieses Gedichtes mit der ausgeleerten „ … Schale, aus der ich vor dir trank.“ nicht Aufbruch mit Wachheit in den Raum jenseits der Grenze des Lebens ausgesagt? Benn dichtete diese Verse mit einer unumstößlichen Gewissheit darüber.

was dann nach jener Stunde
sein wird, wenn dies geschah,
weiß niemand, keine Kunde
kam je von da,
von den erstickten Schlünden,
von dem gebrochnen Licht,
wird es sich neu entzünden,
ich meine nicht.

doch sehe ich ein Zeichen:
über das Schattenland
aus Fernen, aus Reichen
eine große, schöne Hand,
die wird mich nicht berühren,
das läßt der Raum nicht zu:
doch werde ich sie spüren

und das bist du.
und du wirst niedergleiten
am Strand, am Meer,
aus Fernen, aus Weiten:
„- erlöst auch er“;
ich kannte deine Blicke
und in des tiefsten Schoß
sammelst du unsere Glücke,
den Traum, das Loos.

ein Tag ist zu Ende,
die Reifen fortgebracht,
dann spielen noch zwei Hände
das Lied der Nacht,
vom Zimmer, wo die Tasten
den dunklen Laut verwehn,
sieht man das Meer und die Masten
hoch nach Norden gehn.

wenn die Nacht wird weichen,
wenn der Tag begann,
trägst du Zeichen,
die niemand deuten kann,
geheime Male
von fernen Stunden krank
und leerst die Schale,

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